
Dobrawa Czocher ist eine polnische Komponistin und Cellistin, die schon früh als „eine der angesehensten zeitgenössischen Cellistinnen Europas“ (Loud & Quiet) gefeiert wurde. Bereits im Alter von sieben Jahren begann sie mit dem Cellospiel. Das Instrument wurde schnell zu einem festen Bestandteil ihres Lebens, und die Entscheidung, sich ganz der Musik zu widmen, war eine natürliche Konsequenz. Sie absolvierte ihr Studium an zwei renommierten Hochschulen: an der Fryderyk-Chopin-Universität für Musik in Warschau bei Prof. Piotr Hausenplas sowie an der Hochschule für Musik Detmold bei Prof. Alexander Gebert. Von 2018 bis 2023 war sie Mitglied des Symphonieorchesters der Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie in Stettin, wo sie als Solo-Cellistin und Stimmführerin tätig war.
Die Künstlerin ist bekannt für ihre Fähigkeit, die klanglichen Möglichkeiten des Cellos zu erweitern. Dank ihrer erfolgreichen und vielfach ausgezeichneten Laufbahn als Solistin, Kammermusikerin und Orchestermusikerin bewegt sie sich mühelos zwischen klassischer Musik und zeitgenössischen, experimentelleren Ausdrucksformen. Ihr außergewöhnliches Talent beruht auf der Verbindung von makelloser Technik, grenzenloser Fantasie und großer emotionaler Ausdruckskraft.
Seit vielen Jahren arbeitet Dobrawa eng mit ihrer Freundin, der Pianistin und Komponistin Hania Rani, zusammen. 2015 veröffentlichte das Duo sein Debütalbum
Biała flaga mit Interpretationen von Kompositionen Grzegorz Ciechowskis. Das Album wurde in Polen ein großer Erfolg und ebnete den Weg für die internationale Veröffentlichung ihres ersten vollständig eigenen Albums
Inner Symphonies, das 2021 beim legendären Label Deutsche Grammophon erschien. Damit wurden Dobrawa Czocher und Hania Rani zum jüngsten Komponistinnen-Duo in der Geschichte des Labels.
Im Jahr 2023 veröffentlichte Dobrawa Czocher ihr erstes Soloalbum
Dreamscapes (BMG/Modern Recordings), das ausschließlich eigene Kompositionen für Violoncello enthält. Das Album wurde von der Kritik begeistert aufgenommen und erhielt sechs Nominierungen für den renommierten deutschen Musikpreis Opus Klassik, darunter in den Kategorien „Instrumentalistin des Jahres“ und „Komponistin des Jahres“. Seitdem präsentiert sie ihre Musik in bedeutenden Konzerthäusern Europas, unter anderem in London, Berlin, Leipzig und Utrecht.
Seit der Veröffentlichung von
Inner Symphonies hat Dobrawa Czocher ihr kompositorisches Schaffen kontinuierlich erweitert und Musik für Theaterproduktionen sowie künstlerische Installationen geschaffen. Im Jahr 2024 wurde sie eingeladen, an der Entstehung der ortsspezifischen Oper
D’arc mitzuwirken, die von Krystian Lada inszeniert und vom Museum des Warschauer Aufstands anlässlich des 80. Jahrestages des Warschauer Aufstands produziert wurde. In der Produktion verkörperte sie die legendäre Joanna – eine junge Cellistin, die von einer Solokarriere träumt und sich zugleich den harten Realitäten des Krieges stellen muss. Dabei verlieh sie dieser historischen Figur nicht nur durch ihr Schauspiel Leben, sondern komponierte auch die dreisätzige Sonate für Violoncello solo
Joannas Geschichte, die die Ängste, die Zerbrechlichkeit, die Träume und die innere Stärke ihrer Protagonistin musikalisch zum Ausdruck bringt.
Foto: Barbara Liro